KontaktImpressum

Die Saatgutvermehrung

Saatgut Vermehrung auf dem Biolandhof Schaut

Die ersten Jahre waren von der Suche nach geeignetem Saatgut geprägt. Nach einem Reinfall mit der Weizensorte „Monopol“ wurde Sommerweizen und mehrere Winterweizensorten parallel als eigener Versuch angelegt. Bald waren zwei Sorten gefunden: Batis mit hoher Wurzelleistung und Rektor mit besten Backeigenschaften.

Da wir beim Anbau von Leguminosen (Erbse, Ackerbohne und Wicke) auch auf Ertragssicherheit und Unkrautkonkurrenzkraft achten, haben wir verschiedene Mischungsverhältnisse und Mischungspartner ausprobiert. Aktuell stehen Wintertriticale und Wintererbse in zwei Mischungsvarianten draußen.

Dinkel begleitet mich seit nun 30 Jahren. Zu Beginn war kaum Saatgut zu bekommen und die Dinkeläcker waren im Sommer beliebtes Ziel für Ährenstraußsammler. Die Drescheigenschaften und Ertragsleistungen der verfügbaren Sorten waren sehr heterogen.

Feldversuche

Saatgut eigene Feldversuche auf dem Biolandhof Schaut, Wilflingen

So nahm ich Kontakt nach Belgien, Frankreich und Luxemburg auf, um von dort mehrere Sorten zu holen. Eine schweizer und eine deutsche Sorte komplettierten meinen Feldversuch.

Zur Besichtigung lud ich nun den Geschäftsführer einer Erzeugergemeinschaft und den Geschäftsführer der Bioland – Handelsgesellschaft ein. Daraus entstand eine bis heute andauernde Geschäftsbeziehung und ein fruchtbarer Austausch über neue Sorten und die Auswahl der zu vermehrenden Sorten.

Warum das Alles?

Das Zuchtgeschehen wird immer mehr von intensiv zu führenden Sorten geprägt. Hybride nehmen Einzug und machen dem Landwirt den Nachbau unmöglich.

Dem muss etwas entgegengesetzt werden, denn die Ansprüche an eine Pflanze sind im ökologischen Landbau andere. Um nur Wenige zu nennen: Konkurrenzkraft, also nicht zu kurz im Stroh - Gute Standfestigkeit - hohes Nährstoffaneignungsvermögen – Stein- und Stinkbrandresistenz – Blattgesundheit – gute Mehlausbeute – gute Klebereigenschaften, die auch für hellere Backwaren genügen.

Saatgut beim Bioland-Verband: Bioland & Demeter Z-Saatgut

Neu auch die Glutenunverträglichkeit als eine Folge von Abwehrstoffen der Pflanze als wahre Ursache.

Auswuchsfestigkeit und Winterhärte haben sich in den letzten beiden Jahren auch wieder zum Teil schmerzlich in Erinnerung gerufen. So waren die Bäcker vor 20 Jahren noch mit 10,5 % Protein und 24 Kleber bei Weizen für ihre Vollkornbrote zufrieden, heute sind die Anforderungen bei 12 % Protein und 26 Kleber. Dies kann nur mit einer Linienzucht erreicht werden, die unter ökologischen Anbaubedingungen geführt wird. Ein französischer Biolandwirt aus dem Rhonetal berichtete, dass sie auf Schweizer Sorten zurückgriffen, weil diese noch angepasster erschienen und ihre Wertprüfung viele Kriterien berücksichtigt bis hin zu den Backeigenschaften und ihrem Geschmack.

Erbsen und Bohnen

Bei den Erbsen ist die Auswahl an weiß blühenden Blattsorten ohne Bitterstoffe erschreckend klein geworden. Die Zucht lohnt wohl nicht mehr, aber weniger Zuchtarbeit und der Teufelskreis - wenig Anbau - weniger Sortenvielfalt - kein Fortschritt beginnt.

Bei der Ackerbohne hatten wir schon bitterstoffarme Sorten im Anbau, diese schmeckten aber leider auch den Bruchidien (eine Käferart). Die enormen Sojaimporte lassen hier Zuchttradition und Potential brach fallen.

Hafer und Roggen

Hafer bauen wir sehr gerne an, weil er keine Getreide- Fußkrankheiten überträgt und hier sehr gute Schälhaferqualitäten erreicht werden. Die Sortenwahl und Vermehrung wird auch von den Erfahrungen eines Schälmüllers mit verschiedenen Sorten mitbestimmt.

Nur gibt es eben nicht nur Verarbeiterwünsche, sondern auch agronomische, auf den Hafer bezogen die besten Schälausbeuten liefern ertraglich zurückfallende Sorten.

Beim Roggen sind uns als Bäcker beliefernde Erzeuger vor allem Auswuchsfestigkeit und ein gutes Amylogramm wichtig. So sind wir bei Amylo als Hauptsorte geblieben. Das Basissaatgut hierfür bekommen wir aus Polen geliefert.

Rotklee und Luzerne

Die Vermehrung von Rotklee und Luzerne haben wir für den Eigenbedarf begonnen. Nach einem ersten Schnitt lassen wir den Bestand ausreifen und wenn die Hummeln fleißig befruchten, sind auch die Samenerträge da, wenn auch von Jahr zu Jahr enorm schwankend.

Da den Schwaddrusch kaum ein Lohnunternehmer übernehmen wollte haben wir eine Zeitlang selbst gedroschen. Fertigkeiten und Einstellungsfeinheiten konnten so angeeignet werden, was später nach dem Verkauf der „Ärgermaschine“ uns zu Gute kam, als sich dann doch ein Lohnunternehmer fand.

Die Aufbereitung des Erntegutes verlangt dann wieder einige Arbeitsschritte, die uns inzwischen Routine geworden sind.

Weidelgrassamen

Weidelgrassamen gewinnen wir vom Aufwuchs nach dem ersten Schnitt vom Landsberger Gemenge. Die Mischungspartner Winterwicke und Inkarnatklee haben bis dahin den Boden gut bedeckt und Futter (ein Schnitt) und Stickstoff (Leguminosen) für das Gras geliefert, das wir dann im August aus dem Stand dreschen.