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Februar / März 2013

Betrug in industrieller Eierproduktion:
Bioland fordert konsequentes Durchgreifen

Offizielle Stellungnahme des Bioland-Verbandes von Montag, 25.02.2013, 8.30 Uhr zu den Ermittlungen

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt gegen 150 niedersächsische Eierproduzenten. Der Verdacht: Die Betriebe sollen zu viele Legehennen in ihren Ställen gehalten und somit gegen gesetzliche Vorgaben des Lebensmittel- und Tierschutzrechtes sowie das ökologische Landbaugesetz verstoßen haben. Betroffen sind nach Medienberichten folgende Haltungsformen: konventionelle Käfighaltung, konventionelle Bodenhaltung, konventionelle Freilandlandhaltung und Biohaltung. 50 Verfahren sind an Behörden in Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern abgegeben worden. Es wird zudem gegen Unternehmen in Belgien und den Niederlanden ermittelt.

Mit dem Verdacht der systematischen Überbelegung von Ställen steht erneut die agrarindustrielle Geflügelhaltung im Brennpunkt. Betroffen von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen sind Großbetriebe aus der Geflügelwirtschaft auch im Biobereich. Bioland- Betriebe sind nach derzeitigem Kenntnisstand nicht betroffen. Bioland fordert eine rasche Aufklärung und schnelles Durchgreifen der Behörden.

„Agrarindustrielle Großbetriebe bringen die gesamte Biobranche in Verruf – sei es durch inakzeptable Haltungsbedingung oder wie jetzt durch den Verdacht der Missachtung von Gesetzen und des systematischen Betrugs. Die zuständige Staatsanwaltschaft aber auch die Kontrollbehörden müssen jetzt hart durchgreifen. Sollte sich der Verdacht eines systematischen Betruges erhärten, wäre dies ein schwerwiegender Verstoß gegen die EU- Öko-Verordnung. Die Täter müssten nicht nur hart bestraft werden, sondern auch mit einem Verbot der Bioproduktion belegt werden”, sagt Jan Plagge, Präsident von Bioland.

Bioland setzt im Gegensatz zu industriellen Strukturen auf das Modell einer bäuerlich- ökologischen Tierhaltung, die regionale Beziehungen für Handel und Verbraucher ermöglicht. „Bioland-Bauern machen bei der Globalisierung und Industrialisierung der Landwirtschaft nicht mit. Sie sind das Gegenmodell zu Agrar-Industriekonzernen. Der Bioland-Verband besteht aus selbstständigen Bauern, die auf Transparenz setzen und denen das Tierwohl am Herzen liegt”, so Plagge. Bioland hat zudem höhere Standards in Erzeugung und Verarbeitung als der Mindeststandard der EU-Öko-Verordnung vorgibt.

Der Skandal zeigt, dass in der gesamten Lebensmittelkette umgedacht werden muss. „Durch das Diktat einer immer billigeren Produktion werden aus Bauernhöfen globalisierte Agrarfabriken. Die Mehrheit der Menschen will aber gute Lebensmittel, deren Herkunft transparent ist, am besten aus ihrer Region. Politik und Handel müssen erkennen, worauf künftig der Schwerpunkt gesetzt werden muss, sei es in der Förderpolitik oder beim Einkauf”, sagt Plagge.

Bioland fordert politische Rahmenbedingungen, die statt Großstrukturen gerade bäuerlichen Biobetrieben bessere Wettbewerbschancen bieten.